Blogeinträge

Plurales Wissen als Schlüssel für ein gutes Leben für alle?

-

Plurales Wissen als Schlüssel für ein gutes Leben für alle?

„Was ist ein gutes Leben?“ – die Antworten auf diese Frage sind vielfältig, geprägt durch die Gesellschaft, in der man sich befindet, das soziale Umfeld und Erfahrungen die gemacht wurden, es wird also jeder eine andere Antwort geben. Allgemein als wichtig wird es empfunden nicht auf die Kosten von anderen zu leben, doch auch dabei können die Vorstellungen über den Lebensstil extrem auseinander gehen und doch sind es alle Einschätzungen eines guten Lebens.

Denn Wissen ist nicht eindimensional, sondern geprägt durch unterschiedliche Kulturen und wird auf unterschiedlichen Ebenen gebildet, in der Wissenschaft, im Alltag oder durch die Intuition. Wissenschaft kann diese Prägungen analysieren und die Grenzen der Welt aufzeigen, die wir uns vielleicht stecken müssen, um ein gutes Leben für alle verwirklichen zu können.

Die größte Herausforderung scheint es also zu sein, eine umfassende Akzeptanz für die Grenzen der Welt herzustellen und das ohne einen Werteimperialismus zu vertreten, bei dem die westlichen Länder anderen Staaten Grenzen auferlegen, ohne sie nach ihren Bedürfnissen zu fragen. Durch diese Zusammenarbeit könnten nämlich auch eine neue Form des Verständnis und der Integration von unterschiedlichen Formen des Wissens entstehen, die es heute so noch nicht gibt.

Heute werden viele Formen des Wissens nicht mehr als solches betrachtet. Durch die vertikale, im Sinne unterschiedlicher Disziplinen, und horizontale, also unterschiedliche Wissensformen, etwa Wissenschaft und Intuition, Integration von unterschiedlichen Wissensformen kann eine plurale Perspektive auf ein gutes Leben für alle gewonnen werden und darauf hin gearbeitet werden. Verschiedene Hintergründe produzieren unterschiedliche Formen von Wissen, diese in einem Prozess zu integrieren kann sehr bereichernd sein.

In Ecuador etwa wird ein solcher Dialog zwischen unterschiedlichen Wissensformen gefördert, zwischen „saber“ und westlichem, wissenschaftlichem Wissen. Unter „saber“ bezeichnet die dortige Bevölkerung ihr Wissen, mit dem sie ihren Alltag meistert, es kann praxisorientiert sein, erreicht aber auch abstraktere Formen, die Beziehung zur Natur ist wichtig. 2007 bei der Erstellung einer Verfassung kommt eine Problematik zwischen diesem „saber“ und grundlegenden Menschen und Naturrechten auf, da die einheimische Bevölkerung nicht einsieht weshalb diese wichtig sind, da sie schon durch ihre moralischen Kodizes des „saber“ gedeckt sind. Nach ausführlicher Kommunikation konnte eine Lösung gefunden werden, in die unterschiedliche Wissensformen integriert wurden.

Hier war ein Teil der Herausforderung anzuerkennen, dass jeder unterschiedliche Bedürfnisse hat, um ein gutes Leben zu führen, einzig das Recht auf Leben eint alle. Dieses gilt es dafür umso vehementer zu verteidigen.

Möchte man den Menschen keine Regeln aufdrängen, sondern sie frei entscheiden lassen, ist sich aber trotzdem bewusst, dass es Regeln und Grenzen geben muss, da unsere Erde gewissen Grenzen ausgesetzt ist, muss ein System geschaffen werden, in dem Menschen ihre Grenzen frei wählen können.

Durchgängig halten wir die Veränderung des wirtschaftlichen, also kapitalistischen und politischen Systems in diesem Sinne für unbedingt notwendig. Um der heutigen Repräsentationskrise entgegen zu wirken, könnten Maßnahmen zur Demokratisierung ergriffen werden. Dabei ist es besonders wichtig, dass die Initiativen aus der Bevölkerung kommen und diese vertreten. Es sollten die Initiativen in ihrer Anzahl und nicht in ihrer Größe wachsen, da mit wachsender Größe oft die soziale Einbindung und Mittelbarkeit der Projekte verloren geht. Gleichzeitig sollte Diversität in der Gesellschaft akzeptiert und gefördert werden, sodass ein neues, gemeinsames Ziel entstehen kann und das europäische Wertesystem mit seinem Werteimperialismus aufgebrochen wird.

Dabei gilt es sich an Werten wie Solidarität, Empathie und Offenheit zu orientieren, man sollte die vorhandenen Konfliktlinien in der Gesellschaft als Ausgangspunkte für Handlungen annehmen. Diese Handlungen sollte vor allem das Aufbauen von Netzwerken innerhalb der Gesellschaft umfassen, aber ebenso und genau auf diese Weise Machtverhältnisse umwerfen und die Bevölkerung zur Handlungsfähigkeit bringen. Dazu ist Bildung und insbesondere politische Bildung in der Gemeinschaft und in Schulen notwendig, denn nur sie schafft es eine mündige Bevölkerung zu erschaffen, die gerne für sich selbst verantwortlich ist.

In einer solchen mündigen Gesellschaft finden unterschiedliche Formen von Wissen nebeneinander Platz und können sich gegenseitig bereichern, um auf diese Weise zu einem guten Leben für alle beizutragen. Bei so einem pluralen Konzept ist es nicht zentral die Herstellung eines einheitlichen Lebensstils, der als gut betrachtet zu verfolgen. Viel bedeutender ist Akzeptanz der offensichtlichen Grenzen unseres Planeten, seiner Ressourcen und die daraus folgende die Reduktion des Ressourcenverbrauchs als hauptsächliches Ziel.

Autorin: Laura Porak

Zurück

Einen Kommentar schreiben